Gold macht 3,8-%-Rutsch wett, während Zentralbankpolitik für Schlagzeilen sorgt
Der GOLDPREIS setzte am Donnerstag seine über Nacht begonnene Erholung fort und machte den bisherigen Wochenverlust von 3,8 % am Londoner Spotmarkt wieder wett. Gleichzeitig wuchsen die Zweifel daran, ob die US-Notenbank Fed die Dollar-Zinsen bis zum Jahresende noch ein- oder zweimal anheben wird, während die Politik rund um die Goldreserven der Zentralbanken für Schlagzeilen sorgte.
„Es geht dabei nicht wirklich darum, dass die Finanzierungsbedingungen die Wirtschaft beeinträchtigen“, behauptet John Williams, Präsident der Federal Reserve Bank of New York, mit Blick auf den starken Anstieg der Finanzierungskosten der US-Regierung und lässt dabei den weltweiten Anstieg der langfristigen Zinsen außer Acht.
„Was diese Entwicklung zu einem großen Teil antreibt, sind vielmehr eine starke US-Wirtschaft und ein positiver Wirtschaftsausblick.“
„[Doch] der Anstieg der Inflation wurde bislang fast ausschließlich durch höhere Energiekosten verursacht“, heißt es in einem am Dienstag von der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt veröffentlichten Forschungsbeitrag von Ökonomen und geldpolitischen Beratern der EZB. Darin wird die Situation im Jahr 2026 der Inflation nach der Pandemie in den Jahren 2021–22 gegenübergestellt und eine „eigenständige“ geldpolitische Reaktion gefordert, statt die Zinsen vorschnell anzuheben.
„Die Niederlande haben die Liquidität und Handelbarkeit ihrer Goldreserven verbessert“, teilte unterdessen diese Woche der weltweit elftgrößte staatliche Goldbesitzer und bedeutende Nato-Mitgliedstaat mit. Durch die Verlagerung eines Teils seiner Goldbestände von New York und Ottawa nach London sei die niederländische Zentralbank DNB „angesichts zunehmender geopolitischer Unruhen besser auf schwere Krisen vorbereitet“.

In den vergangenen Jahren konzentrierte sich die Berichterstattung häufig darauf, dass Zentralbanken „Gold aus London abziehen“ – ein Vorgang, der als „Repatriierung“ bezeichnet wird.
Die bei der Bank of England verwahrten Goldbestände haben inzwischen jedoch wieder das Niveau von Ende 2021 erreicht. Danach hatte Russlands umfassende Invasion der Ukraine westliche Sanktionen gegen Moskau ausgelöst, die weithin als ein Grund dafür angesehen werden, dass Schwellenländer und nicht-westliche Staaten ihre rekordhohen Goldkäufe zunehmend im eigenen Land lagerten.
Während der Londoner Spotpreis für Gold heute auf bis zu 4.490 US-Dollar je Feinunze stieg, „baut China ein globales Netzwerk von Goldtresoren auf und beschleunigt die Goldkäufe der Zentralbanken, um die Rolle des Yuan im internationalen Handel zu stärken“, berichtet die South China Morning Post in Hongkong unter Berufung auf einen Bericht der Finanzrating- und Datenagentur S&P Global.
„Den verfügbaren Daten zufolge“, so der Branchenverband World Gold Council, „haben die Zentralbanken ihre weltweiten offiziellen Goldreserven im Juli um 23 Tonnen erhöht. Zwar lag dieser Wert unter dem des Vormonats, doch die Dynamik scheint weiterhin positiv zu sein, wobei China und Polen nach wie vor die Entwicklung anführen.“
Mit dem Ziel, den Anteil der im Inland gehaltenen Goldreserven auf rund ein Drittel zu erhöhen, überholte Polen in diesem Jahr die Niederlande und stieg damit zum weltweit zehntgrößten staatlichen Goldbesitzer auf. Es wird weithin davon ausgegangen, dass China mehr Gold kauft, als es offiziell meldet.
Die Erwartungen hinsichtlich der US-Leitzinsen gingen unterdessen am Donnerstag etwas zurück. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September sank auf drei zu fünf, während die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Notenbank danach bis zum Jahresende keine weiteren Zinserhöhungen vornimmt, bei 55 % lag.
Nachdem der ISM-Einkaufsmanagerindex am Dienstag gezeigt hatte, dass sich das Wachstum der US-Industrieaktivität im August gegenüber dem Vierjahreshoch vom Juli verlangsamte, zeigten die am Mittwoch veröffentlichten ADP-Arbeitsmarktdaten, dass die größte Volkswirtschaft der Welt im vergangenen Monat lediglich 38.000 neue Stellen geschaffen hat – so wenige wie seit Januar nicht mehr.
Am Freitag folgt der Arbeitsmarktbericht für August mit den stärker beachteten Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft (Non-Farm Payrolls) des Bureau of Labor Statistics.
Wie Gold machten auch die Silberpreise heute den Einbruch dieser Woche am Londoner Spotmarkt wieder wett und stiegen auf 66,40 US-Dollar je Feinunze.




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