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„Spekulative Goldkäufer sollten aussteigen“

Der Preisverfall bei Gold und Silber hält an. Experten rechnen damit, dass die Kurse für die beiden Edelmetalle noch weiter fallen. Doch die Ursachen haben auch positive Aspekte, schreibt Niklas Dopheide von Handelsblatt Online.

Seit Monaten kennen die Preise für die wichtigsten Edelmetalle nur eine Richtung: abwärts. Gold und Silber fielen im Oktober dieses Jahres auf ein neues Viereinhalb Jahrestief. Der Goldpreis fiel Anfang November sogar unter die Stabilitätsmarke von 1200 US-Dollar je Feinunze (rund 31 Gramm) und steht aktuell bei rund 1145 Dollar. Als Stabilitätsmarke wird der Bereich um 1200 US-Dollar bezeichnet, weil der Goldpreis nach Kursverlusten in den letzten Jahren zuvor immer wieder an dieser Marke nach oben abprallte, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank im Interview mit Handelsblatt Online.

Die Aussichten für das gelbe Edelmetall bleiben weiterhin schlecht. Michael Haigh, Rohstoffanalyst von Société Générale hält laut Bloomberg Interview auch ein Preisverfall bis hin zu 1000 US-Dollar je Feinunze für möglich. Haigh war einer der Analysten, die auch den starken Kursverlust im letzten Jahr richtig prognostiziert hatten.
Diese Prognose teilen die Analysten der US-Investmentbank Goldman Sachs, die einen Kurs von 1050 US-Dollar pro Unze für realistisch halten. Weinberg hält einen solchen Preis kurzfristig auch für möglich, aber nicht über einen längeren Zeitraum hinweg. „Auf lange Sicht werden die Goldpreise vermutlich wieder steigen“, so der Commerzbanker.
Bei Silber zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. BNP Paribas sieht bei einem aktuellen Kurs von gut 15 US-Dollar einen charttechnischen Abwärtstrend, der einen Preisverfall bis 14,63 US-Dollar zur Folge haben könnte. Erst durch einen Anstieg über 17 US-Dollar könnte sich die Situation ändern. Gold und Platin sind laut BNP Paribas ebenfalls im Abwärts- bzw. Seitwärtstrend.

Die Gründe für die Preisentwicklung an den Edelmetallmärkten sehen Analysten vor allem im starken Dollar. Der Ausstieg der Federal Reserve aus dem Quantitative Easing Programm, dem milliardenschweren Rückkaufprogramm von US-Anleihen, und die Erwartungen steigender Zinsen jenseits des Atlantiks stärken den Greenback.
„Mit steigenden Zinsen in den USA erhöhen sich die Opportunitätskosten für eine Anlage in Gold, weil Gold eine zinslose Anlageform ist“, kommentiert Weinberg das Geschehen. Mit Opportunitätskosten bezeichnet man entgangene Erlöse, die Anleger mit anderen Anlageformen hätten erzielen können. Einig sind sich Analysten auch über eine andere Ursache. Der wirtschaftliche Optimismus in den USA, der durch aktuelle Zahlen zur Konjunktur und Inflationsentwicklung bestärkt wird, führt dazu, dass die US-Anleger keinen „sicheren Hafen“ benötigen, erklärte Weinberg. Auch Michael Haigh teilt diese Ansicht und erklärte im Bloomberg Interview, dass die aktuell sinkenden Ölpreise darauf hindeuten, dass die Inflation nicht steigen wird. Zudem sei die zuletzt sehr starke physische Nachfrage aus Asien zurückgegangen, was den Preis zusätzlich belastet. Die Nachfrage aus Asien hatte in den vergangenen Jahren die Preisrückgänge abgeschwächt. Für die Preisentwicklung bei Silber sieht Weinberg die gleichen Gründe. Schließlich werde Silber oft als der „kleine Bruder“ von Gold bezeichnet.

Ein Vergleich in verschiedenen Währungen lohnt

Ob man beim Anblick der Goldpreise in Panik verfallen sollte, ist laut dem Rohstoffanalysten eine Frage der Perspektive. Im Falle einer spekulativen Anlage in Gold, um Rendite zu erzielen, rät Weinberg zum Ausstieg. Gold sei aber eigentlich eher eine Versicherung für spekulative Anlageformen als eine profitbringende Investition. Oft werden nur fünf Prozent vom Gesamtvolumen eines Portfolios in Gold investiert.

Das einzige Edelmetall mit einer aktuell positiven Kursentwicklung ist Palladium. Für Weinberg keine Überraschung. „Palladium ist das Edelmetall mit den stärksten Fundamentaldaten“, sagt der Analyst. Auch für die Charttechniker von BNP Paribas besteht aus technischer Sicht bei Palladium ein leichter Aufwärtstrend.

Als Zulieferer der Automobilbranche profitiert Palladium von den starken Absatzzahlen der Hersteller in China und den USA. Auch in Europa steigen die Zulassungen erstmals seit drei Jahren. Der hohe Palladium-Preis kommt jedoch auch durch die Probleme der Produktionsländer Russland und Afrika zustande. „Ein Ausfall von Russland als Hauptproduzent wäre eine Katastrophe für die Automobilbranche“, sagt Weinberg. Im dem östlichen Land werde Palladium ineffektiv abgebaut, zudem gebe es Sorge wegen der aktuellen Sanktionen gegen Russland.

Ein Blick auf den Goldpreis in anderen Währungen zeigt aber ein anderes Bild. In japanischen Yen oder in Euro umgerechnet, ist der Goldpreis seit Jahresanfang sogar leicht gestiegen. Denn in diesen Regionen wird offenbar noch ein sicherer Hafen gesucht. In Japan und in der Euro-Zone halten die Zentralbanken weiter an expansiver Geldpolitik und niedrigen Zinsen fest, was Gold in diesen Regionen wieder attraktiver macht.

Das Handelsblatt ist eine täglich erscheinende Wirtschafts- und Finanzzeitung in deutscher Sprache.

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