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Warum sich die steigende Goldnachfrage aus China nicht auf die Preise auswirkt

Das chinesische Neujahr ist mittlerweile ein wichtiges Ereignis auf dem globalen Goldmarkt. Was die Nachfrage anbelangt, so entspricht es dem Diwali-Fest, dass in Indien im Herbst begangen wird. Nachdem China bereits seit 2007 der größte Goldproduzent ist, ist es nun auch der weltweit größte Goldverbraucher. Grund hierfür sind die fallenden Goldimporte Indiens aufgrund der Einfuhrbeschränkungen, die im letzten Jahr zur Reduzierung des Handelsbilanzdefizits erlassen wurden.

Aber wie ist es dann möglich, dass trotz der Tatsache, dass in China eifrig Edelmetall gekauft wird, Gold seinen schlimmsten Preissturz seit rund drei Jahrzehnten erlebte?

Laut Daten des Beratungsunternehmens Thomson Reuters GFMS erlebten wir im vergangenen Jahr die größte verzeichnete geographische Gold-Verschiebung. Im Westen verkauftes Gold wurde von Käufern in Asien aufgekauft. Mehr als 800 Tonnen des Edelmetalls flossen aus börsennotierten Goldfonds ab, die zuvor von europäischen und amerikanischen Vermögensverwaltern genutzt wurden, um damit der Finanzkrise zu trotzen. Das über Hongkong nach China importierte Gold übertraf diese Menge sogar noch um ein Drittel. Die Schmucknachfrage aus China erreichte neue Rekorde und übertraf dabei bei weiten die aus Indien. Vergleicht man die derzeitige Goldnachfrage mit der vor zehn Jahren, gemessen in Yuan, so stieg diese auf das 15-fache an und übersteigt somit deutlich das 4-fache BIP-Wachstum.

Die Tatsache, die in 2013 deutlich wurde, ist, dass sich solch eine Verbrauchernachfrage nicht auf die Goldpreise auswirkt. Leute, die Gold kaufen, weil sie speziell an Gold interessiert sind, tendieren dazu, dies vorwiegend dann zu tun, wenn die Preise rückläufig sind – und umgekehrt. Was jedoch für den Preis zählt, sind vielmehr diejenigen Menschen, die Gold kaufen, weil sie gerade nicht an den Alternativen interessiert sind. Mit anderen Worten, Investoren mit einer breiten Auswahl an unterschiedlichen Anlageklassen, die ebenfalls entsprechende Mittel verfügbar haben, um auch dann nachzukaufen, wenn die Preise steigen.

In Indien gibt es seit jeher ein immenses Interesse an physischem Gold, aus religiösen und kulturellen Gründen ebenso wie aus sozialen. Somit war der ehemals größte nationale Goldkäufer auf dem Weg in ein neues Rekordjahr, als im letzten Frühjahr die Preise einbrachen. Allerdings brachen die von der Regierung erlassenen Einfuhrbeschränkungen über die riesige Nachfrage nach physischem Gold herein. Beschränkungen, die dazu bestimmt waren, das massive Handelsbilanzdefizit des Landes zu reduzieren. Nun, da die größte Käufernation wegfiel (zumindest vom legalen Handel), vollzogen die Goldpreise in der zweiten Hälfte in 2013 eine Seitwärtsbewegung. Der Goldpreis zu Jahresende entsprach dem Stand von Ende Juni, als die Importbeschränkungen (die vielmehr ein Verbot darstellen) in Kraft traten.  

Was jedoch eine noch gewichtigere Rolle spielt, ist, dass im Westen selbst die Geschwindigkeit der Verkäufe abnahm. Bis Ende Juni flossen bereits 70% der insgesamt 550 Tonnen Gold ab, die der an der New Yorker Börse notierte SDPR Gold Trust (GLD) in 2013 verlor. Zu diesem Zeitpunkt fingen Spekulanten von Gold-Futures und Optionen an der Comex bereits an, gegen den Goldpreis zu wetten. Dies war die kürzeste Netto-Long-Position der US-Gold-Derivate seit Ende der 1990er, und sie erreichte nicht einmal ein Zehntel dessen, was zu Spitzenzeiten in 2011 und 2012 erzielt wurde. Gegen diese Preisgeber konnte auch die steigende Nachfrage aus China nichts ausrichten.

Das chinesische „Jahr des Pferdes“ beginnt offiziell an diesem Freitag, den 31. Januar 2014. Aber der Mondzyklus, in dem das neue Jahr XīnNián beginnt, wird noch bis Mitte Februar dauern. In den letzten 12 Jahren wurden in den ersten drei Monaten des (westlichen Kalender-) Jahres 11 Mal Rekordnachfragen von chinesischen Privatpersonen erzielt. In diesem Jahr würde bei einem Kauf von mehr als 385 Tonnen Gold ein neuer Rekord aufgestellt werden. Dies hieße, dass jede dritte Feinunze von einem Privatanleger in China gekauft werden würde. Mit weniger als 1270 USD je Feinunze ist dies das günstigste zu Neujahr erhältliche Gold seit 2010.

Somit stellt sich die Frage, unter welchen Umständen China letztendlich mehr Einfluss auf die Goldpreise nehmen würde. Laut Kommentare von deren hochrangigen Vertretern hat die People’s Bank of China den Goldmarkt in ihre umfassenden Finanzreformen aufgenommen. Des Weiteren wird auch der heimische Goldmarkt in Peking verstärkt für ausländische Akteure geöffnet, wobei offensichtlich sowohl HSBC als auch ANZ Bank Einfuhrlizenzen erhalten sollen. Die kommunistische Regierung Chinas scheint es also mit der Liberalisierung ihres Goldmarktes Ernst zu nehmen, ebenso wie mit der Gewährleistung eines zukünftigen Angebots. Dies hätte in zweifacher Weise Auswirkungen. Nämlich zum einen, dass der weltweit größte Goldproduzent mehr Einfluss auf den globalen Goldmarkt und die Verbrauchsökonomie erhalten würde.

Noch wichtiger ist allerdings, dass zum anderen aufgrund Chinas umfassender Finanzreformen, die vom Dritten Plenum des derzeitigen Politbüros Ende 2013 bestätigt wurden, Chinas rasch wachsende Mittelschicht in den Genuss einer größeren Vielfalt von Anlageprodukten käme. Laut Meinung einiger Analysten könnte eine größere Auswahl zur Folge haben, dass einige Privatanleger fortan weniger Gold kaufen.  Aber mit großer Sicherheit würde dies auch bedeuten, dass zwar mehr Leute, die speziell an Gold interessiert sind, aufhören würden zu kaufen (und verkaufen). Stattdessen aber könnten andere aus Überlegungen heraus, wie es wohl mit anderen verfügbaren Anlagen weitergeht, anfangen, Edelmetall zu kaufen. Anders als das konstante Interesse von indischen und chinesischen Schmuckkäufern, sollte diese Art von Nachfrage tatsächlich Auswirkungen auf die Goldpreise haben.

Artikel übersetzt und bearbeitet von Steffen Grosshauser.

Adrian Ash ist Head of Research / Leiter der Forschungsabteilung bei BullionVault, der weltweit führenden Handelsplattform für physische Gold- und Silberbarren. Zuvor war er Redaktionsleiter bei Fleet Street Publications und City-Korrespondent für das Daily Reckoning. Er ist u.a. regelmäßiger Autor für Forbes und BBC. Außerdem ist seine Meinung als Goldmarkt-Experte bei renommierten Medien und Finanzdienstleistern wie der Financial Times, The Economist, Bloomberg und dem Stern gefragt.    Sehen Sie hier alle Artikel von Adrian E.Ash

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